Blaupause

Wort-Exoten

Annähöse

… eben gelesen und Buchstabe für Buchstabe durchs Wort gestolpert. Nein, ich sage jetzt nicht, was ich beim ersten Lesen gedacht habe.

Etwas fehlt.

Zwei Jahre ist es nun her, vor zwei Jahren habe ich von Esbjörn Svenssons tödlichem Unfall erfahren. Die Nachricht hat mich umgehauen.
Einen Monat später konnte ich mich auf dem North Sea Jazz Festival nicht so recht freuen, nicht einmal über das überragend wunderbare Konzert von The Bad Plus, bei dem ich viele Tränen vergoss. Vielleicht doch, weil es mich berührte, vor allem aber, weil mich traurig machte, nie wieder E.S.T. live erleben zu können, denn das, das wurde mir bei diesem Konzert sehr bewusst. Nichts, nichts, ließ mich mehr eintauchen, vergessen, nach vorne blicken und jeden Tag, sei er auch noch so schlecht gestartet, zum Guten zu wenden - oder einfach hinzunehmen.
Ein Jahr später auf dem North Sea Jazz Festival, da war ich glücklich, weil schwanger im 7. Monat, glücklich, weil ich ganz stark daran glaubte, nach einer Fehlgeburt bald bald einen klitzekleinen Menschen in meinen Armen zu halten und ihm all die Freude und das Glück, das ich zu geben vermag, zu schenken. Und glücklich war ich über die Widmung eines Stückes an Esbjörn von Jamie Cullum bei seinem Auftritt im riesengroßen, prallvollen Saal Nil auf dem Festival.
Ein weiteres Jahr später höre ich wieder mehr Musik, viel viel E.S.T., viel viel Tonbruket, viel Dhaver Youssef, dessen neuestes Werk mit Piano mich immer wieder an E.S.T. erinnert und dessen Stimme mich seltsam ruhig macht. Und gestern, gestern war wieder so ein Tag, ein Tag, an dem ich gerne geflohen wäre.

Weg.
Weit weg.

Weg aus meiner Welt, ein bisschen Abstand gewinnen, Abstand macht aus einem verlorenen Tag einen Gewinn. In mein Auto setzen und weg fahren.

Irgendwohin.

Weit weg.

Weg aus meiner Welt, eintauchen in Geschwindigkeit, mal wieder mit 240 km/h über die Autobahn rauschen, Dach offen, Musik so laut es die Ohren ertragen, E.S.T, The Wraith, The Face Of Love, Elevation Of Love, Beggar‘s Blanket, ach, alle Alben hintereinander und wieder von vorn.

Weiter, schneller, weg.

Und weil mein klitzkleiner Sohn da ist, kann ich nicht. Ich kann nicht mehr fliehen, ich muss mich auseinandersetzen, wo es nichts auseinanderzusetzen gibt, weil das Gespräch fehlt. Kann nicht mehr fliehen, weil ich mich zusammen reißen muss, weil der kleine Mini-Mann nicht versteht, warum Mama weint oder traurig und sprachlos ist.
Selbstverständlich schläft mein klitzekleiner Sohn an solchen Tagen nicht, nicht eine Minute, so dass ich mich nicht einmal mit ein bisschen E.S.T., ganz laut auf dem Kopfhörer, ablenken kann.

Und irgendwann an diesem Tag begreife ich, dass es vielleicht besser ist, wie es ist. Es gibt Tage, an denen würde man Dummheiten machen. Dummheiten, die man später bereut.

Vielleicht.

Wer weiß schon, was die Wahrheit ist?
Und so bleibe ich, mit einer kleinen Lücke in meinem Herzen.



Denn etwas fehlt.

Sex, Punk, Rock 'n' Roll








R.I.P, Mister McLaren

Mein kleiner König

Tagebuch führen ist mein neuer Lebensinhalt. Ich schreibe sorgfältig auf, was ich wann esse und welche Blutzuckerwerte ich vorher und nachher habe. Seit einer Woche führe ich auch ein Liege-Pausen-Tagebuch, darin notiere ich, wie lange ich sitze oder stehe oder aktiv auf den Beinen bin.
Mein erstes Tagebuch, das Diabetes-Tagebuch, geht mir leicht von der Hand, weil ich inzwischen ein recht gutes Gefühl dafür habe, was meinen Nüchternwert in die Höhe schnellen lässt und was ihn unten hält. Die Ärzte sind jedenfalls sehr zufrieden mit mir, loben mich als Vorzeige-Schwangere.
Die seit einer Woche verordnete Bettruhe steht dem, was ich tun sollte, um meinen Gestations-Diabetes im Zaum zu halten, im Wege: Liegen versus Bewegen. Ich weiß jetzt also, was das Wort Teufelskreis bedeutet.
Mein zweites Tagebuch fällt mir sehr schwer, denn eigentlich völlig gesund und fit zu sein widerspricht dem Gedanken, sich hinlegen zu müssen. Hinlegen, nicht setzen und sei es auch noch so bequem, das ist komisch.
Und so versuche ich mit festen Zeiten mein Soll an Liege-Zeiten zu erfüllen und hoffe, dass die Ärztin, die sich um diesen Teil der Schwangerschaft kümmert, mich morgen nicht doch ins Krankenhaus schickt, zur Zwangspause, acht Wochen vor Entbindung.

Das Schöne am Liegen ist, dass ich mich intensiv mit meinem Bauch beschäftige, noch mehr als ohnehin schon. Ich schaue den kleinen, sanften Wellen und den stürmischen Stupsern, die der kleine Kerl, der in meinem Bauch wohnt, auslöst zu. Und ich spreche mit ihm und ich streichle meinen Bauch und hoffe, dass er ein bisschen davon spürt, der kleine Kerl, den wir Elvis nennen, oder auch Mini-Riese, oder auch Teddy-Bär. Egal, ist alles eins :-)
Für dich, Elvis, mein Teddy Bär:




Hm. Der Name Elvis stand ja mal kurzzeitig auf der Liste, bevor er gestrichen und zum Spitznamen wurde. Vielleicht sollte er doch so heißen: Elvis Teddy ;-)

Traum.a






Eine Stunde bevor ich dorthin fuhr wo ich nicht hinfahren wollte, hörte ich „Still“ (e.s.t. / Leucocyte). 09:55 Minuten Abschied.

*




Wissentlich

Na also, geht doch! Danke, Herr Linke, für diesen Artikel. Das lässt mich meinen Groll über das, was ich bei rp online zum Thema las, vergessen.

Mein Schatz

esbj_

Ich habe sie zumindest schon einmal geöffnet.

Um sie zu hören, Himmel hilf, da brauche ich wohl einen Tag Zeit, besser zwei, und eine leere Autobahn, von hier nach irgendwo. Ein Herbsttag mit ein bisschen Sonne dazu, das wäre wundervoll.

Ich, mein Wagen, eine Autobahn nach irgendwo, reichlich Papiertaschentücher, ein bisschen Sonne und e.s.t.: Leucocyte.

2009 vielleicht.

Möglichkeiten, entdecken.



Dan and I have a great energy together, an energy that we take with us wherever we play. It´s still there and needs to be canlized somehow. The big black hole that Esbjörn left behind when he passed has transformed into a great clean white sheet of paper that offers unlimited possibilities, says Magnus Örström to Dagens Nyheter.



Licht.

Wegzehrung

Und dann blicke ich zurück. Neun Jahre. Neun Jahre, wie sie intensiver nicht hätten sein können. Neun Jahre, rastlos, ruhelos. Die vielen Facetten von Wahrheit erfahren, ein Ende erkannt, ein Ende gesetzt, den Glauben an die Liebe nicht aufgegeben, das Ich geformt, auf Reisen gewesen, in zwei Städten gelebt und gearbeitet, in Gedanken und mit dem Herzen immer weit weg, gekämpft, um nicht unterzugehen, gelernt zu lieben was ist und nicht was sein könnte, die Heimat verlassen, Grenzen erfahren, Grenzen ausgelotet, Grenzen gesetzt.

Neun Jahre. Einzige Konstante, wenn um mich herum alles zusammenbrach, einziger Ruhepunkt, wenn das Leben mir kaum Zeit zum Atmen ließ, Kraft gebend, wenn ich aufgeben wollte, Mut machend, wenn Ziele immer mehr aus der Greifweite rückten, antreibend, wenn ich zögerte, haderte, Begleiter auf tausenden Kilometern quer durchs Land, Begleiter auf tausenden Gedankenreisen: e.s.t.

Musik, die für mich immer, immer, eine Antwort bereit hielt, ungefragt. Das Bauchgefühl bestärkend. Den Glauben aufrecht erhaltend, dass das Schöne lebt, das Gute siegt. Dass es lohnt zu kämpfen, und sei es nur der Selbsterkenntnis wegen.

In all den Jahren habe ich tausende Zeilen geschreiben, Texte, so roh wie Gedanken nun mal sind, habe es nie geschafft, sie auszuformulieren, lesbar zu machen für jemanden, der nicht in meinem Kopf wohnt. Etwas über Esbjörns, Magnus’ und Dans Musik zu schreiben, hieße, meine eigene Biografie zu schreiben.

Und nun sitze ich hier und schaue auf den großen Haufen unvollendeter Dinge, den mir die letzten Jahre eingebracht haben. Nahezu jedes Ziel rückt weiter von mir weg, kaum dass ich meine Hände danach ausstrecke. Empfinde alles was ich tue als Sisyphusarbeit.

Entscheide mich zum ersten Mal gegen mein Herz und gegen mein Bauchgefühl. Versuche, mir einzureden, dass das, was sich nun schlecht anfühlt, nur Einbildung ist. Rational betrachtet, ist das ja alles nichts, worüber ich klage, trauere, kraftlos Arme und Verstand hängen lasse, sagt das rationale Ich, das ich mir auferzwinge.

Und nun sitze ich hier, höre The Unstable Table & The Infamous Fable (e.s.t.: viaticum).


Und finde nicht zu mir zurück.

Muskeln, Monk und Mendelssohn








vermissent







(Drei sehr schöne, lesenwerte Artikel. Dank an Wolfgang M. Seemann, Thomas Lindemann und Alex Rühle)








blogistin

Fantasie, Fiktion, Fraktales

Ich will ...

 

War was?

Sekundenglueck 1:56
Nichts ist mehr wichtig. Und alles kann warten. (Danke...
blogistin - 14. März, 13:20
Sekundenglueck 1:55
blogistin - 12. Februar, 13:13
Danke, Dok!
Ich mag Authentizität, auch wenn ich das Adjektiv...
blogistin - 18. Oktober, 10:55
Wirklich cool! :) Bloggst...
Wirklich cool! :) Bloggst Du gar nicht mehr?
Chikatze - 6. Oktober, 21:18
Dann denken Sie wegen...
Dann denken Sie wegen zuviel Input daran, das Allerwichtigste...
Budenzauberin - 15. Mai, 09:30
Uaaaaaaaaah, ich glaube,...
Uaaaaaaaaah, ich glaube, ich wollte das doch nicht...
Budenzauberin - 15. Mai, 09:29
der Kleine Mann ist live...
der Kleine Mann ist live sogar noch schöner, weil...
FrauLotta - 15. Mai, 08:00
Sekundenglueck 1:54
(Zum ersten Mal seit Jahren in meinem Büro getanzt,...
blogistin - 14. Mai, 11:09
Sekundenglueck 1:53
Extrem stimmiges Komplettpaket. Und dann auch noch...
blogistin - 14. Mai, 11:05
Oh ja. Jetzt muss ich...
Oh ja. Jetzt muss ich nur den großen Kerl davon...
blogistin - 14. Mai, 10:57

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