Sekundenglueck
Da steht es nun, in meinem Mutterpass, letzter Eintrag nach 38 wunderschönen, spannenden und immer wieder aufreibend dramatischen Schwangerschaftswochen:
"Kind lebt und ist gesund."
Und ich, ich habe auch wieder eine neue TÜV-Plakette bekommen.
Eine wunderschöne Vorweihnachtszeit. Endlich.
blogistin - 30. November, 14:29
Jedes Mal, wenn ich mit meiner Mama telefoniere, halte ich den Hörer in die Nähe von Nikolais Köpfchen. Dann kann sie sein Schnaufen hören, sein Quieken oder manchmal auch sein Weinen. Und dann spricht sie mit ihm, mit ihrem Enkelchen, den sie leider leider immer noch nicht besuchen konnte. Es macht sie glücklich, für ein paar Augenblicke wenigstens.
Mich auch.
blogistin - 24. November, 13:39
So hab ich dich am liebsten: in mein Tragetuch gemümmelt, deine Nase irgendwo auf Höhe meiner Brust, die Wärme deines kleinen Körpers spüre ich, deinen Atem höre ich, kann die Arme um dich legen, so als wärst du noch in meinem Bauch, kann die Arme frei bewegen, dich sanft an deinen zarten Fußsohlen kitzeln, jetzt, wo du nicht mehr in meinem Bauch bist.
Ich liebe dich, dich, du kleiner Kerl, der du mir vom ersten Augenblick, an dem ich dich sah und fühlte und hörte und roch, beibringst, was Liebe in ihrer ursprünglichsten Form bedeutet, bedingungslose Liebe, selbstlose Liebe, Mutterliebe.
Heute bist du drei Wochen alt.
blogistin - 5. November, 13:47
beats per minute
Jeden Vormittag habe ich ein Rendezvous mit deinem kleinen Herzchen, lieber Elvis. Eine halbe Stunde, manchmal auch ein Weilchen länger, liege ich da, mit zwei Gurten um meinen dicken Bauch, die zwei große Knöpfe, die sich wie dicke Warzen durch die Elsatik-Gurte drücken, halten. Dann höre ich dein Herzchen wummern. Meistens schlägt es mit 140 bpm. Manchmal, wenn du besonders aufgeregt bist oder ich mich bewege oder eine Wehe meinen Körper bewegt, dann schlägt es mit 170 bpm.
Wenn 180 bpm angezeigt werden, werde ich ein bißchen aufgeregt, und dann streichle ich dich durch meinen Bauch hindurch, da, an dem kleinen Stückchen Haut, das die Gurte frei lassen, da, wo dein Köpfchen liegt und sich meiner Hand entgegen drückt.
beats per minute
Jeden Nachmittag habe ich ein Rendezvous mit einer anderen Platte, die ich längst vergessen habe, nie gehört habe, nie richtig gehört habe, weil, ach, weil immer irgendetwas anderes ist, das mir meine Zeit und meine Ruhe klaut.
Heute: Das wunderbare letzte Album von Rrrred Snapper, dieses Trio, das mich einst im Alten Wartesaal atemlos und mit Bass-Wummern im Bauch sprachlos machte, über eine Stunde lang. Überrascht bin ich, wie sehr mir das gitarrenlastige Schrabbel-Wummer-Schnick-Schnick-Waber-Bass-Album A Pale Blue Dot gefällt, habe hatte ich doch ein Vorurteil gegenüber jeglichen exzessiv eingesetzten Gitarren …
blogistin - 7. Oktober, 17:28
Elvis übt Hüftschwung.
In meinem Bauch.
blogistin - 24. September, 17:11
Zum ersten Mal seit etwa zehn, elf Jahren bin ich wieder in einer Bibliothek gewesen, zwischen kreischenden Kindern, die die Spielecke unsicher machen, während ihre Mütter in Kinderbüchern stöbern, flüsternden Rentnern, die sich gegenseitig Tipps geben, in welchem Buch welche Krankheit gut beschrieben wird und welcher Arzt davon auch viel oder wenig hält, diskutierenden Halbwüchsigen, die cool finden, dass es über das Thema der Hausarbeit ein Buch gibt, dass man doch eigentlich nur abzuschreiben bräuchte.
Ich erinnerte mich an meine wöchentlichen, stundenlangen Bibliotheksbesuche zu Beginn meiner Selbständigkeit, damals, als das Internet noch nicht auf vieles Zugriff in Sekundenschnelle erlaubte.
Das Gefühl ist heute fast ein bißchen schöner, luxoriöser.
Nicht zuletzt, weil die nette Bibliotheks-Dame mir, der offensichtlich hoch schwangeren, gleich noch die etwas versteckte Extra-Damentoilette zeigte, "Gleich neben dem Wickelraum, den Sie dann ja auch bald brauchen."
blogistin - 10. September, 18:58
"Mama, die dicke Frau hat mich angelacht."
"Die Frau ist gar nicht dick."
"Doooch!"
"Nein, da ist ein Baby drin."
Dumdidum.
blogistin - 24. August, 09:06
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blogistin - 24. Juli, 14:40
Ich hatte ja auf Prince und Grace Jones getippt … aber egal.
Zigmal ein lautes YEAH beim Überfliegen des
Programms:
George Benson
Toots Thielemans
Joshua Redman
BB King
Duffy
Kyouto Jazz Massive
Dhafer Youssef
Paolo Fresu & Uri Caine
Avishai Cohen
Randy Crawford
Burt Bacharach
Lee Konitz
Erykah Badu
Amos Lee
Herbie Hancock
Chucho Valdés
Bill Frisell & John Scofield
David Sanborn
Jamie Cullum
Steve Winwood
Jazzanova
Esperanza Spalding
… und an allen drei Tage immer wieder der grandiose John Zorn in zahlreichen Formationen.
… und dann sind da noch all die Namen, bei denen ich erst lesen und gucken muss, welche Überraschung sich dahinter verbirgt. Und vielleicht habe ich in der Eile auch noch einen Knaller übersehen.
YEAH!
Drei Tage beatsndrums!
YEAH!
blogistin - 6. Mai, 15:42
Wie gut die Wärme tut.
St. Germains Tourist höre ich in Endlosschleife. Frühlingsmusik.
Wie leichtfüßig und tatenreich das Wissen macht, dass meine Mama mich besuchen kommt.
Ganz spontan und kurzfristig wie sie nun mal ist. Überhaupt: es ist der allererste Besuch hier in der neuenalten Hütte. Noch ohne Gästezimmer, aber auch das wird, bald. Ich glaube, ich werde mich überschlagen mit Putzen und Kochen und Blumen dekorieren. Und mein kleiner, geliebter Mama-Gnom wird hier durchhuschen und nur die vielen, vielen unfertigen Ecken und Baustellen sehen und die Hände über den Kopf zusammen schlagen und rufen „Mausi, so viel Arbeit habt ihr noch! Das würde mich verrückt machen.“
Wie befreiend es ist Urlaub zu buchen.
Eine Woche am Stück, eine ganze Woche. Und schon so bald.
blogistin - 3. April, 11:22