Glückskind 00:03

Lieber Nikolai, der letzte Monat mit dir war wie ein kleines Wunder. Es hat sich so unglaublich viel getan, so dass du mich mit deinem zauberhaftem Wesen noch mehr eingenommen hast als in den Wochen zuvor. Eigentlich fast unmöglich … Einen Tag nach deinem 2-Monats-Geburtstag, also am 16.12.2009, hatten wir einen besonderen Termin bei deiner Kinderärztin – die, Schulmedizin hin oder her – wirklich eine ganz besonders nette Frau ist, in etwa gleich alt wie dein Papa und ich. Ich war schon bei der U3 beeindruckt, wie man trotz einer rappelvollen Praxis so strahlend lachen und sich so liebevoll um dich kleinen Kerl kümmern kann. Nun, am 16.12.2009 war also dein erster Impftermin. Obwohl ich mir mit einem Buch („Schutzimpfungen selbst verantworten“) eigentlich eine Meinung eher gegen Impfen gebildet hatte (zumindest in dem von der STIKO empfohlenen Umfang und Zeitraum) sind wir dann doch beim empfohlenen gelandet. Erstaunlicherweise hat ein Gespräch mit meiner Mama kurz zuvor ergeben, dass ich seinerzeit nicht geimpft worden bin. Meine Eltern, die nun wirklich nicht „öko“ sind, hatten sich damals einen Kinderarzt ausgesucht, der, für die damalige Zeit, schon nahezu revolutionär alternative Methoden bevorzugte … Wie auch immer: Ich hatte furchtbare Angst vor diesem deinem Termin. Die Vorstellung, dass dein kleiner Babykörper gepiekst wird und du Schmerzen hast, war für mich grauenvoll. Und ich hatte große Bedenken, wie du im Anschluss reagieren würdest. Ich mache es kurz: Dein Papa war stark genug, dich zu halten, ich hatte Tränen in den Augen als du bei den Pieksern in den Oberschenkel aufgeheult hast. Und dann, dann war auf einmal alles ganz anders als ich befürchtet hatte. Du hast sehr schnell aufgehört zu weinen und warst sehr müde. Fast den ganz restlichen Tag hast du geschlafen, ich hatte Mühe dich zum Trinken zu bewegen. Du tapferer kleiner Kerl du! Ganz besonders verzaubert hast du mich in den letzten vier Wochen mit deinem Lachen: Du lachst sehr viel und inzwischen auch richtig laut. Wir albern sehr viel herum, entweder wenn du auf deiner Spielwiese liegst und ich dir ulkige Geräusche vormache. Zum Beispiel das Blubbern mit der Lippe: Erst lachst du, wenn ich es mache, dann versuchst du es nach zu machen und bringst ein kleines Pusten mit ein paar Spuckebläschen zu Stande. Und dann lachst du noch viel mehr. Ich kitzle dich, küsse deine Füßchen, streichle dich, halte dir kleine Greifringe zum Greifen hin – und alles machst du mit viel viel Lachen und mit einer erstaunlichen Konzentration mit. Wir spielen oft über eine Stunde am Stück, ich bin erstaunt, wie lange es dauert, bis du deinen Blick abwendest oder deine Äuglein reibst, weil du dann schließlich müde bist und eine Pause brauchst.

Oh - und: die Bauchlage! Anfangs mochtest du sie ja nicht besonders - inzwischen liebst du sie! Du hältst deinen Kopf schon sehr hoch und das über mehrere Minuten lang. Auf deinem Gänseblümchen-Spielteppich kannst du dich im Halbkreis drehen, zu ziehst immer ein Ärmchen nach und bewegst dich so fast unmerklich um die eigene Achse. Du hast auch schon gelernt, deinen Kopf zwischendurch abzulegen und eine kleine Pause zu machen, dann saugst du an deinem kleine Fäustchen und machst dann mit neuer Kraft weiter – wieder ein Liegestütz – wow! – das rufe ich und lege mich so vor dich hin, dass du mich sehen kannst, wenn du deinen Kopf nach oben reckst. Und dann lachst du und freust dich …

2010-01-06 12-29-15

Ich probiere immer wieder mal, dich in deinem Bettchen, das in unserem Schlafzimmer steht, schlafen zu legen. Im dritten Monat ist es mir ein paar mal gelungen: Du hast dich wach hinlegen lassen und bist eingeschlafen und hast drei Stunden durchgehalten. Und du hast dich schlafend dort ablegen lassen und ebenfalls mehrere Male etwa drei Stunden am Stück geschlafen. Diesen Zustand hatten wir zwar nur über etwa zwei Wochen, und auch nicht jeden Tag, aber es zeigte mir, dass auch das geht. Ansonsten schläfst du nach wie vor bei mir und deinem Papa im großen Bett, und wir merken dir an, wie gut es dir tut. Du schläfst dort eigentlich immer ohne zu Murren oder Weinen ein, entweder weil du ohnehin müde bist oder nachdem wir noch ein bisschen mit dir gespielt haben. Meistens schläfst du fünf bis sechs Stunden durch, manchmal ist es aber auch "nur" ein drei Stunden-Rhythmus, bis du dich wieder meldest und Hunger hast. Dann stille ich dich im Liegen. Das klappt manchmal so gut, dass wir beide dabei weiter mümmeln. Manchmal bist du dabei aber so unruhig, dass du mich mit einen kleinen Füßchen trittst und deinen Kopf und deinen Mund einfach nicht da halten kannst, wo er sein soll. Das ist für uns beide dann sehr anstrengend, aber egal. Hauptsache du wirst satt und wir können irgendwann noch ein Stündchen weiter schlafen. Blöd ist nur, wenn Papa das Getöse mit bekommt, er tut mir dann immer sehr leid, weil er doch auch seinen Schlaf braucht, aber ich glaube, er nimmt das ganz locker. Über Schlafenszeiten und vielleicht eine Änderung, in welchem Bett du nun immer schläfst, denken wir vielleicht mal nach, wenn du zwei, drei Monate älter bist. Mal sehen. Wir genießen die Kuschelzeiten und das Aufwachen mit dir jedenfalls sehr. Meistens reckst und streckst du dich, grunzt, gurrst und knurrst. Am Wochenende gibt es dann morgens noch ein ausgiebiges Extra-Kuscheln und eine Weile darfst du auch nackt und ohne Windel im Bett strampeln und mit deiner Lieblinsgdecke "kämpfen". Die Unterlage, die ich dafür genäht habe, hat sich bewährt! In den letzten Tagen vor deinem 3-Monats-Geburtstag, da hat sich dein Schlafverhalten wieder etwas geändert. Du hast dich ein paar Tage lang gar nicht ablegen lassen, nicht einmal für eine Sekunde, du weintest wieder mehr und wirktest insgesamt weniger ausgeglichen. Zwei große Abenteuer haben sich für dich und für uns alle im dritten Monat ereignet: An Weihnachten hatten wir Übernachtungsgäste - deine Omi und dein Opi aus dem fernen Schwabenland haben uns besucht. Und so haben wir zusammen mit deiner anderen Omi und deinem Opi, die hier bei uns im Haus leben, bei uns gefeiert. Du lagst in deinem Stühlchen und hast den Trubel wunderbar mit gemacht, bis auf ein kleines Schreistündchen in der Nacht, wo du uns von deinen Erlebnissen berichtet hast. Da fällt mir gerade ein, dass ich dir irgendwann mal erkläre muss, warum du drei Opis hast, aber das hat ja noch Zeit. Das zweite Abenteuer fand genau heute, an deinem 3-Monats-Geburtstag statt: Wir haben unseren ersten großen Ausflug gemacht. Zweimal über eine Stunde Fahrt und dazwischen ein fast drei Stunden langern Besuch bei meinen Kollegen – das hast du sehr gut mit gemacht, hast die Kolleginnen und Kollegen mit deinem Charme verzaubert, viel gelacht und vor allem mit den Frauen geflirtet. Auch die Fahrt war prima: Lediglich der Moment ab dem ich dir die Mütze auf- und die Jacke anzog, den quittiertest du mit Weinen. Aber sobald der Wagen brummte, schlummertest du schon. Auf dem Rückweg hast du ein viertel Stündchen wach im Autositz gesessen und dir die vorbei ziehende Landschaft angeschaut. Und ich, ich habe nun beschlossen, regelmäßiger mit dir auf Tour zu gehen bzw. zu fahren.

2009-12-26 23-06-50

Und als ob es in diesem Monat nicht schon genug Ereignisse gab – du setzt noch eins drauf: Kurz nach Weihnachten hast du auch dein allererstes Spielzeug eingeweiht: Semmelhase, den Freundin C. dir geschenkt hat. Er hieß mal Mümmel, jetzt nennen wir ihn nur Hasi – und du, du vermöbelst ihn regelmäßig, kaust auf seinen geknoteten Poften herum, beißt ihm ins Gesicht und wältzt dich mit ihm auf dem Bauch herum. Dabei lachst du und hast sichtlich viel viel Spaß!


Ich liebe dich.

Deine Mama

Sekundenglueck 1:39

Da stehe ich, an der Haustüre, in einem T-Shirt, das ich schon seit Tagen trage, überall sind Flecken von meinem kleinen Sohn, der seine Milch in allerlei Aggregatzuständen wieder ausgespuckt hat, meine Haare ungekämmt, und überhaupt: geduscht habe ich heute auch noch nicht. Und gestern? Weia! Egal, er strahlt mich an, unser netter Nachbar, seine kleine 3-jährige Tochter ebenso. Wünscht schöne Weihnachten, überreicht ein kleines Geschenk und meldet an, dass man uns bald mal einen Besuch abstatten wolle. Er strahlt, ich strahle, das kleine Mädchen strahlt.
Und morgen, morgen reist meine Mama an. Weihnachten mit Familie. Wunderbar.

Ich kann mir wirklich nicht mehr vorstellen, dass mir Dinge wie geputzte Fenster und ein täglich höchst adrettes Aussehen sehr sehr wichtig waren.
Spucktuch über der Schulter, ein glucksendes Baby im Arm und die Familie am großen Tisch -rulez!

Glückskind 00:02

Lieber Nikolai,

irgendwann im Laufe des zweiten Monat deines Lebens ist es passiert: du hast gelächelt, uns angelächelt, nicht das Engelslächeln, das wir im Schlaf schon zuvor bei dir beobachten konnten, sondern ein Lächeln im wachen Zustand. Und so sehr ich mich auch immer über Mittermeiers Spruch* amüsiert habe … es war wunderschön.
Du lächelst und lachst sehr viel, das liegt sicherlich vor allem daran, dass du inzwischen nicht mehr nur auf meinem oder dem Arm deines Papas herumgetragen werden möchtest, sondern dich auch ab und zu für ein halbes Stündchen oder auch mehr in deinem Hochstuhl, der sich zu einer Liege umbauen lässt, ablegen lässt. Und dann, dann beobachtest du mich sehr genau, siehst mir in der Küche zu, wie ich Gemüse schneide, Geschirr ein- und ausräume und koche. Ich erkläre dir alles ganz genau und du, du scheinst aufmerksam zuzuhören. Jedenfalls folgst du meinem Tun sehr konzentriert mit deinen wachen, klaren Augen. Meistens beginnen wir unsere Koch-Show mit Singen und Tanzen - „Rudolph The Red Nosed Reindeer“ war mein und dein Lieblingslied, klatsche dazu, schnippe mit den Fingern. Und du machst begeistert mit: Du gluckst, lachst, reißt deine Ärmchen in die Höhe, strampelst mit deinen Beinen.
Überhaupt: Der zweite Monat hat in vielerlei Bereichen unseres Zusammenlebens eine Wende bedeutet. Das Wichtigste für mich: Ich habe gelernt dein Weinen zu verstehen, richtig zu verstehen. Ich habe gelernt, nicht mehr irgendwelche Gründe oder Ursachen zu suchen, mir Gedanken zu machen, dass ich etwas falsch mache, dass du vielleicht krank bist usw. usf., wenn du weinst. Und das war eine schwierige Aufgabe, schließlich kannst du sehr sehr lange und sehr sehr sehr laut weinen. Ich habe einige sehr gute Texte und Gedanken zu diesem Thema gelesen und weiß heute, dass es dir am besten tut, wenn ich dich einfach halte, mal fester, mal sanfter, in meinem Armen im Sitzen oder im Liegen an deiner Seite im Bett - und dir zuhöre. Ich höre dir zu, was du heraus weinen möchtest. Anfangs hatten wir noch versucht, dich zu beruhigen, heute weiß ich, dass es nicht darum geht, dich ruhig zu stellen, sei es durch Herumtragen, Wiegen, Singen und sonstiges, sondern um zuhören und trösten. Und siehe da, du hattest irgendwann so um die sechste Woche herum deinen Höhepunkt, was das Weinen anbelangt, und seither wird es immer besser.
Auch wenn ich sicherlich eher zu den Lachnummern bei Deutschland sucht den Superstar gehören würde, so magst du es offenbar sehr, wenn ich dir etwas vorsinge. Ganz besonders gefällt dir außer dem rotnäsigen Rentier auch Que sera - oder einfach nur irgendeine ausgedachte Melodie, zu der ich dann La-le-lu oder mama-mumu-meme oder schubidubidabidubuschabischubi und allerlei ähnliches singe … Manchmal, wenn du dann ganz besonders zufrieden auf meinem Arm hängst (du hängst gerne in der Armbeuge, so ganz lässig lässt du dich selbst von der Schulter hinunter gleiten, wenn ich dich umher trage), und lächelst oder gluckst oder auch dabei einschläfst, dann drücke ich ein paar Tränchen raus, weil ich so glücklich bin. Glücklich, dass es dich gibt. Und dass alles letzten Endes gut gegangen ist, mit dir und mit mir.
An der Milchbar hat sich auch etwas schönes getan: Neuerdings lächelst du sie an, die Barkeeperin, bevor du trinkst, nicht immer, aber vor allem dann, wenn du dich gerade in Rage geschrieben hast, weil es dir mal wieder nicht schnell genug ging mit dem Trinken.
Deinen allerersten Ausflug mit dem Auto - also ich und du und das Auto, ganz ohne deinen Papa - haben wir auch hinter uns gebracht. Er führte uns zwar nur zum Orthophäden (yeah - alles in bester Ordnung, du brauchst nicht mehr breit gewickelt werden), aber du hast dich brav von mir kutschieren lassen, obwohl du es gar nicht magst, mit Mützchen und Jäckchen in den Max* Cos* gezwängt zu werden. Die Rückfahrt fandest du zwar grauenvoll, aber das lag wohl mehr daran, dass die Untersuchung furchtbar unangenehm für dich war (eine halbe Stunde musstest du halb ausgezogen auf meinem Arm warten, dann wurdest du mit diesem kalten Gel nahezu von oben bis unten eingeglitscht und in eine Schiene gelegt, das Ultraschallgerät auf den Hüften hat sich sicher auch nicht gut angefühlt.
Übrigens: dein Spitzname Elvis, den du trugst, als du noch in meinem Bauch warst, kommt nun nicht mehr zum Einsatz. Dafür haben wir uns andere Namen für dich ausgedacht, die zu deinem jeweiligen Gesichtsausdruck oder deiner Laune passen. Biene, Mümmel, Nunni oder Nunni-Bär, Tuupps oder Agent Tuupps. Und: nein Nunni hat nichts mit einem Schnuller zu tun, mit dem hast du irgendwann Mitte des zweiten Monats eine halbe Stunde verbracht, ich musste ihn dir festhalten, denn du spuckst das Ding immer dann, wenn wir mal wieder einen Schnuller-Versuch starten, angewidert aus. Mal sehen, ob du irgendwann doch noch ein Schnuller-Baby wirst. Ich vermute eher nicht.

Ich liebe dich.

Deine Mama

Sekundenglueck 1:38

Da steht es nun, in meinem Mutterpass, letzter Eintrag nach 38 wunderschönen, spannenden und immer wieder aufreibend dramatischen Schwangerschaftswochen:
"Kind lebt und ist gesund."
Und ich, ich habe auch wieder eine neue TÜV-Plakette bekommen.

Eine wunderschöne Vorweihnachtszeit. Endlich.

Sekundenglueck 1:37

Jedes Mal, wenn ich mit meiner Mama telefoniere, halte ich den Hörer in die Nähe von Nikolais Köpfchen. Dann kann sie sein Schnaufen hören, sein Quieken oder manchmal auch sein Weinen. Und dann spricht sie mit ihm, mit ihrem Enkelchen, den sie leider leider immer noch nicht besuchen konnte. Es macht sie glücklich, für ein paar Augenblicke wenigstens.
Mich auch.

Glückskind 00:01

Lieber Nikolai,

du liegst gerade auf meiner linken Schulter, ich liege halb aufgerichtet im Bett und so mümmeln wir beide vor uns hin. Es ist gerade 15 Uhr und ich denke über den letzten Monat nach.
Dass Zeit wie im Fluge vergeht, das kenne ich schon eine Weile. Wie sie aber vergehen könnte, wenn man in einer Concorde fliegt, das begreife ich erst jetzt, seit du auf der Welt bist.
Ich denke noch immer viel an deine Geburt, die so überraschend plötzlich geschah, am Tag, als Freundin D. zu Besuch kommen wollte, von weit her, aus meiner alten Heimat.
Immer wieder versuche ich mir die Momente in Erinnerung zu holen, als ich dich das erste Mal sah, als du das erste Mal auf meiner Brust lagst. Sie sind weit weg und doch so nah.
In den ersten Tagen deines Lebens hat sich dein Papa sehr um dich gekümmert, mehr als ich, denn ich hatte noch ein bisschen mit den Schmerzen der Geburt zu kämpfen. Und so habe ich deinen Papa bewundert, wie er dich wickelte, und ich habe euch zugeschaut, wie ihr geschmust habt, wenn du auf Papas Bauch lagst. Ich bin sehr glücklich, nach wie vor, dass dein Papa es trotz der Eile geschafft hat, rechtzeitig zur Geburt im Krankenhaus zu sein und dass er die gesamte Zeit im Krankenhaus bei uns sein konnte. Familienzimmer nennt man das. Das ist etwas Wundervolles.
In den Anfangstagen haben wir uns etwas schwer getan miteinander, du und ich. Ich wollte immer bei dir sein, konnte keinen Schritt von dir weichen, dein Körbchen nicht aus den Augen lassen. Zu groß war die Angst, dass du plötzlich aufhören könntest, zu atmen.
Und du, du pendeltest zwischen zufriedenem Grunzen und Schlummern und lauthalsen Bekundungen, dass dir etwas nicht gefällt oder du etwas brauchst. Oftmals scheine ich genau daneben gegriffen zu haben, denn dein Ärger wurde noch schlimmer, wenn ich das offensichtlich falsche tat. Heute weiß ich fast immer, was du willst und was dir fehlt. Das ist ein wunderbares Gefühl.
Und was die räumliche Trennung angeht: Inzwischen schaffe ich es sogar, mit dem Babyphone um den Hals von deinem Zimmerchen zwei Stockwerke hinunter zum Briefkasten zu gehen, während du in deinem Korb liegst. Manchmal traue ich mich sogar zu den Mülltonnen, dann renne ich allerdings.
Was deinen Hunger anbelangt, so war auch das anfangs eine kleine Hürde für uns beide. Ich möchte dich nach Bedarf stillen, doch den zu erkennen, das ist nicht immer leicht. Denn du schmatzt nicht nur wenn du Hunger hast. Und mit deinen Ärmchen ruderst du auch dann, wenn dir irgendetwas nicht passt, eine volle Windel vielleicht, oder der Wunsch, getragen zu werden.
Wie es kam, dass du nach der ersten Woche, die wir aus dem Krankenhaus wieder zu Hause waren, erst mal 40 Gramm abgenommen hast, das weiß ich nicht. Du hast viel getrunken, aber auch viel geweint und geschrien. Vielleicht hast du meine Aufregung gespürt, die dich selbst aufgeregt gemacht hat? Oder die Umstellung vom routinierten Krankenhaus-Alltag zu unserem noch etwas planlosen Familien-Alltag hat dir zu sehr zu schaffen gemacht.
Dann aber hast du zugenommen, und zwar so gut, dass unsere Hebamme sehr glücklich und zufrieden ihre Waage wieder eingepackt hat.
Das Schönste aber ist, dass du seit vergangenen Mittwoch sehr zielsicher und bestimmt an die Milchbar findest und dort fleißig trinkst - ohne jede Hilfe. Seit ein paar Tage liegen also diese Stillhütchen, die ich als Notnagel immer dann benutzt habe, wenn du mal wieder zu lange verzweifelt versucht hast, anzudocken, in der Schublade. Das ist sehr schön und lässt uns beiden mehr Zeit und Muse, uns gegenseitig kennen zu lernen. Ich streichle gerne deine zarten Händchen und Fingerchen, deine feinen Zehen und weichen Fußsohlen, wenn du trinkst. Und du, du schaust mich zwischen deinen gierigen Schlucken mit riesengroßen Augen an. Immer dann, wenn ich meine Haare zu einem Zopf gebunden habe, wirkst du ein bisschen irritiert, dann öffne ich den Zopf und du scheinst zufriedener.
Auf dem Wickeltisch sind wir inzwischen ein tolles Team, du und ich. Anfangs hatte ich deinen Papa um seinen souveränen Umgang mit dir und deinem zerbrechlichen kleinen Körper beneidet, inzwischen können wir beide mindestens genauso gut miteinander. Seit dich das schöne Mobile über dem Wickeltisch ablenkt, bist du eigentlich immer ruhig und lässt die An- und Ausziehprozedur wunderbar gelassen über dich ergehen. Inzwischen ziehe ich dir ab und zu auch diese unpraktischen Hose- und Pulli-Sachen an, vor denen mich leider niemand gewarnt hat. Strampler mit Druckknöpfen von Kopf bis Fuß sind einfach viel besser. Einmal am Tag gibt es eine kleine Bein- und Arm- und Bauch-Massage mit Olivenöl, das gefällt dir, dann bist du besonders ruhig und wirkst fast ein bisschen nachdenklich. Oder aber du bekommst es gar nicht mit, weil du so vertieft darin bist, der schwarz-weißen Biene oder der Kuh des Mobiles zuzuschauen.
Seit deiner Geburt schläfst du nachts in unserem Bett, nur tagsüber bist du manchmal für ein paar Stunden in deinem Körbchen oder in einem Tragetuch zum Schlafen. Am liebsten schläfst du auf Papas Brust. Oder auf meiner Schulter, so wie jetzt gerade. In den ersten Tagen warst du beim Schlafen fast atemlos ruhig, seit etwa zwei Wochen machst du nachts immer wieder Geräusche, du quietscht, du krächzt, du gurrst und du knurrst. Vielleicht verarbeitest du die Ereignisse des Tages? Der Kinderarzt wird es uns am Mittwoch hoffentlich sagen können. Jedenfalls sind diese Geräusche, die du manchmal auch tagsüber machst, genauso laut wie dein Rülpsen und deine Pupsen - ich hätte nie geglaubt, dass kleine Babys klingen können wie ausgewachsene Kerls.
Am Mittwoch ist also ein großer Tag, dem ich sehr gespannt entgegen blicke: Kinderarzt-Termin, U3. Ich hoffe, dass wir das pünktlich hinbekommen, denn das Timing, das haben wir noch nicht so gut im Griff. Es ist noch nichts wirklich planbar mit dir, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das bald zusammen schaffen werden, so dass die Tage und ihre Abläufe etwas gleichmäßiger werden.
Und nun, nun versuche ich, dich in dein Körbchen zu legen und hoffe, dass du dann noch etwas schläfst, damit ich duschen kann.

Ich liebe dich.

Deine Mama

Sekundenglueck 1:36

lebensglueck


So hab ich dich am liebsten: in mein Tragetuch gemümmelt, deine Nase irgendwo auf Höhe meiner Brust, die Wärme deines kleinen Körpers spüre ich, deinen Atem höre ich, kann die Arme um dich legen, so als wärst du noch in meinem Bauch, kann die Arme frei bewegen, dich sanft an deinen zarten Fußsohlen kitzeln, jetzt, wo du nicht mehr in meinem Bauch bist.
Ich liebe dich, dich, du kleiner Kerl, der du mir vom ersten Augenblick, an dem ich dich sah und fühlte und hörte und roch, beibringst, was Liebe in ihrer ursprünglichsten Form bedeutet, bedingungslose Liebe, selbstlose Liebe, Mutterliebe.

Heute bist du drei Wochen alt.

Sekundenglueck 1:35

beats per minute
Jeden Vormittag habe ich ein Rendezvous mit deinem kleinen Herzchen, lieber Elvis. Eine halbe Stunde, manchmal auch ein Weilchen länger, liege ich da, mit zwei Gurten um meinen dicken Bauch, die zwei große Knöpfe, die sich wie dicke Warzen durch die Elsatik-Gurte drücken, halten. Dann höre ich dein Herzchen wummern. Meistens schlägt es mit 140 bpm. Manchmal, wenn du besonders aufgeregt bist oder ich mich bewege oder eine Wehe meinen Körper bewegt, dann schlägt es mit 170 bpm.
Wenn 180 bpm angezeigt werden, werde ich ein bißchen aufgeregt, und dann streichle ich dich durch meinen Bauch hindurch, da, an dem kleinen Stückchen Haut, das die Gurte frei lassen, da, wo dein Köpfchen liegt und sich meiner Hand entgegen drückt.

beats per minute
Jeden Nachmittag habe ich ein Rendezvous mit einer anderen Platte, die ich längst vergessen habe, nie gehört habe, nie richtig gehört habe, weil, ach, weil immer irgendetwas anderes ist, das mir meine Zeit und meine Ruhe klaut.
Heute: Das wunderbare letzte Album von Rrrred Snapper, dieses Trio, das mich einst im Alten Wartesaal atemlos und mit Bass-Wummern im Bauch sprachlos machte, über eine Stunde lang. Überrascht bin ich, wie sehr mir das gitarrenlastige Schrabbel-Wummer-Schnick-Schnick-Waber-Bass-Album A Pale Blue Dot gefällt, habe hatte ich doch ein Vorurteil gegenüber jeglichen exzessiv eingesetzten Gitarren … 

blogistin

Fantasie, Fiktion, Fraktales

Ich will ...

 

War was?

vielen lieben dank!
vielen lieben dank!
blogistin - 4. Februar, 09:37
Jetzt sehe ich, daß...
Jetzt sehe ich, daß hier auch ein kleiner König...
gedankenhygiene - 28. Januar, 10:12
Glückskind 00:03
Lieber Nikolai, der letzte Monat mit dir war wie ein...
blogistin - 18. Januar, 17:08
Ich frage mich, wie sich...
Ich frage mich, wie sich das wohl anfühlen mag,...
Talakallea Thymon - 9. Januar, 18:48
Glückskind 00:02
Lieber Nikolai, irgendwann im Laufe des zweiten Monat...
blogistin - 9. Januar, 18:35
Sekundenglueck 1:39
Da stehe ich, an der Haustüre, in einem T-Shirt,...
blogistin - 23. Dezember, 13:01
Sekundenglueck 1:38
Da steht es nun, in meinem Mutterpass, letzter Eintrag...
blogistin - 30. November, 14:36
Oh..ich liebe dieses...
Oh..ich liebe dieses Bild! Ich erinnere mich an meine...
Claudia1980 - 26. November, 15:26
Sekundenglueck 1:37
Jedes Mal, wenn ich mit meiner Mama telefoniere, halte...
blogistin - 24. November, 13:42
Glückskind 00:01
Lieber Nikolai, du liegst gerade auf meiner linken...
blogistin - 16. November, 16:14

Huch!

Du bist nicht angemeldet.

Und die Frisur sitzt…

Aktuelles Wetter in Essen:


Temperatur: -4 C
UV Index: 0
Luftfeuchte: 69 %
Sichtweite: 8.0 km
Luftdruck: 1008.1 mb
Windstärke: 13 km/h

Weather data provided by weather.com

Raum & Zeit

Online seit 1768 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 4. Februar, 09:37

Blogistin dankt

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


Creative Commons License

xml version of this page

twoday.net AGB


Blaupause
Der rote Bereich
Es gruesst: Das Murmeltier
Es gruesst: Der kleine Prinz
Glückskind
Glücksklick
Links
Nullnummer
Rechts
Sekundenglueck
Stehsatz
take five
Wortglitzereien
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren

Kontaktanzeigen