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Glückskind 00:05

Lieber Nikolai,

dein 5. Lebensmonat begann genau am 15. Februar mit einer neuen motorischen Fähigkeit: du hast dich zum ersten Mal allein vom Rücken auf den Bauch gedreht. Dein Papa war an diesem Tag zu Hause, hier im Pott arbeitet ja im Grunde niemand an Rosenmontag. Und so spieltest du mit ihm auf dem Bett und irgendwann lagst du wohl auf dem Bauch … Dein Papa war ganz aus dem Häuschen, ich auch, allerdings, weil ich diese deine Premiere nicht mitbekommen habe. Mit deinem eisernen Willen hast du das Drehen aber im Laufe dieses Monats so oft und ausdauernd geübt, dass du es inzwischen ganz lässig und leicht und eigentlich immer und überall machst, wenn man dich auf den Rücken legt. Anfangs hast du dabei noch sehr kämpfen müssen, dein Ärmchen war einfach immer im Weg, du hast laut gemeckert, wenn es nicht gleich klappte, aber aufgegeben, das hast du nicht.
Mit dem Drehen wurde uns auf einmal ganz schnell klar, dass du nun nicht mehr der kleine Kerl bist, denn man mal irgendwo auf den Rücken legen kann und den man zwischendurch immer wieder auf den Bauch legt. Nach kaum einer Woche schweißtreibender Drehübungen warst du so flink beim Drehen, dass ich dich nicht mehr aus den Augen lassen konnte. Auch das Gemeckere über die Kraftanstrengung hat sich ganz schnell gelegt, schließlich war es keine Anstrengung mehr für dich, sondern du hast noch eins drauf gesetzt und erst mal fleißig Liegestütz gemacht. Unermüdlich!
Und dann, gut eine Woche vor deinem 5. Monats-Geburtstag, hast du begonnen, dich auf alle Viere aufzumachen, hast immer fleißig deinen Po nach oben gestreckt und deine Ärmchen durchgestreckt. Irgendwann kam dann noch das Po-Wackeln und -Wippen dazu und - schwupps! - drei Tage bevor du 5 Monate alt wurdest, bist du vorwärts gehüpft wie ein Frosch. Mit deiner unglaublichen Kraft und Energie hast du uns das ganze Wochenende in Atem gehalten, dir dabei zu zusehen, wie du schnellschnellschnell über die Krabbeldecke hüpfst und, wenn du dann mal doch das Gewicht nicht halten konntest, aus der Bauchlage direkt wieder in den Vierfüßlerstand gesprungen (!) bist. Das Ganze macht dir wohl sehr sehr viel Spaß, jedenfalls strahlst du beim Hüpfen bis über beide Ohren! Wir sind sehr gespannt, wohin dein Gehüpfe noch führen wird … deine Knie sind jedenfalls nach deinem Frosch-Wochenende schon ein wenig rot und wund!
In der ersten Woche deines 5. Lebensmonats gab es auch ein nicht so schönes Erlebnis: Dein Papa musste ins Krankenhaus, und obwohl wir mit einer ambulanten Operation gerechnet hatten, behielt man ihn dann doch für eine Nacht da. Also haben wir deinen Papa morgens vor der Operation besucht und ihm das Warten versüßt, und sobald er fertig war, sind wir mit deinem roten Kinderwagen wieder hingeflitzt und haben den Nachmittag bei ihm verbracht. Du warst sehr ruhig und trotzdem fröhlich in der fremden Umgebung und hast auf Papas Bett gelegen und gespielt. Auch die vielen Besucher von Papas Zimmer-Nachbarn haben dich nicht irritiert. Den Abend und die Nacht haben wir dann alleine verbracht, du und ich, das erste Mal. Ich glaube, gegen 21.30 Uhr haben wir beide tief und fest geschlafen, am nächsten Morgen sind wir zusammen um 7 Uhr aufgewacht - und haben uns riesig darauf gefreut, dass dein Papa bald wieder bei uns sein würde. Den Nachmittag hast du dann jedenfalls schlafend auf Papas Bauch verbracht.
Dein Schlaf: Mir scheint, du verlängerst deine Schlaf-Zeiten tagsüber von Monat zu Monat. Inzwischen schläfst du, bis auf wenige Ausnahmen, immer etwa 50 bis 60 Minuten, und das mindestens drei Mal täglich. Manchmal schläfst du sogar zwei Stunden am Stück, bevorzugt morgens nach den ersten Turnstunden, dann lässt du an diesen Tagen aber meistens deinen Mittagsschlaf oder Spätnachmittagsschlaf aus. Und nachts schläfst du in aller Regel gut 9 Stunden, davon die ersten 6 allermeistens am Stück. Auch die Wochenenden bekommen wir so wunderbar zusammen hin, wir wachen morgens meist gegen 8 Uhr auf, dann toben wir eine Weile im Bett herum bis du wieder müde bist und dann schlafen wir oft noch mal ein Stündchen. Ich bin jedenfalls rundum zufrieden - und du auch, das regelmäßige Schlafen tut dir ausgesprochen gut. An den wenigen Abenden, an denen du nicht in den Schlaf zu bekommen warst, eben auch nicht mit Stillen, da hat dich dann dein Papa durch die Wohnung getragen und dabei fest und sicher gehalten, bis du ruhiger wurdest und schließlich zwischen uns eingeschlummert bist.
Noch etwas Neues hast du in diesem Monat entdeckt, im Grunde begann es schon ein bisschen am Ende des letzten Monats: das Kreischen. Du übst deine Stimme und kreischt manchmal eine gute Stunde lang in den höchsten und schrillsten Tönen. Wenn ich mit einstimme, findest du das entweder lustig oder befremdlich … Vom Kreischen abbringen kann ich dich jedenfalls weder durch das eine noch durch das andere, du hörst einfach irgendwann wieder auf. Brabbeln und plappern machst du nach wie vor besonders gerne abends, auf dem Wickeltisch oder kurz vor dem Schlafen - oder dann, wenn dein Papa und ich uns besonders lange unterhalten haben. Du laberst und laberst und laberst, es ist wunderschön, dir zu zuhören!
Irgendwie kam es mir so vor, als wärst du in diesem Monat ein ganzes Stück gewachsen, aber es ist doch nur ein klein wenig: du bist nun, am Ende des vierten Monats, 66 cm groß und wiegst etwas über 7 Kilogramm. Du trinkst nach wie vor sehr gut, die Abstände zwischen deinen Stillmahlzeiten haben sich wieder etwas verkürzt, das liegt sicherlich an dem vielen Sport, den du machst, wenn du wach bist. Ich freue mich übrigens schon auf den nächsten Monat und auf deinen ersten Brei!
Deinen Kopf zieren jetzt übrigens ein paar hübsche, hellrote Flusen, ich bin sehr gespannt, ob du ein kleiner roter Lausbub bleiben wirst …

Ich liebe dich, lieber NIkolai, mit jedem Tag ein bisschen mehr, du wunderbarer, kleiner R.A. Bauke!
Deine Mama

Ich dich auch …

… Schatz!




Und heute Abend kommst du bitte im petrolfarbenen Satinanzug nach Hause. Danke.

Sekundenglueck 1:42

Als ich noch klein war, in einem Alter, in dem man seine Eltern fragt: "Hast du mich lie-hieb?", da sagte mein Papa stets: "Na, das weeeste doch."
Nun lernt mein Papa bei meiner "kleinen" Schwester das "Internet" kennen und bedienen, erste Lektion: E-Mails schreiben, versenden, beantworten. Ich finde es ganz wundervoll, dass er sich, trotz oder gerade wegen Krankheit und "höherem" Alter nicht gegen den modernen Schnick-Schnack wehrt, sondern einfach mal schaut, was man da so machen kann. Die yo*tub*-videos von seinem Enkelchen schaut er sich zum Beispiel sehr gerne an!
Nun bekam ich eine E-Mail von meinem Papa, sie endet mit "Ich hab dich lieb".


Ich dich auch, Papa. Und vielleicht schicke ich dir auch mal den Link zu meinem Blog, wer weiß …

Sekundenglueck 1:41

Und da sitze ich nun, im Schneidersitz, auf meinem Bett, die Vorhänge zugezogen, es ist Nachmittag, gäben sie doch nur den Blick frei auf unwirtliches Wetter und einen Himmel in düsterem Graublau. Höre mich Stück für Stück durch Dan Berglunds Tonbruket. Das erste Brummen seines Basses erklingt, „Sister Sad“, ich fühle mich zu Hause. Nein, es ist nicht E.S.T., die Gitarre macht es nur allzu deutlich, dennoch: ich fühle mich zu Hause. Sehe immer wieder in das Bettchen meines klitzekleinen Babys, das ich so sehr liebe. Schaue ihm beim Schlafen zu, friedlich liegt es da, während sich in meinem Kopf ein bittersüßer Film abspielt, ein Film, der die Gedanken, Sehnsüchte, Schmerzen und Freuden der letzten eineinhalb Jahre widerspiegelt.
Es wird Tage dauern, vielleicht Wochen, bis ich Tonbruket ganz erfasst habe, bis ich jedes Stück gehört habe, richtig gehört habe. Und ich genieße es, genieße die Veränderung in meinem Leben, das zauberhafte kleine Baby, das das Musikhören mit seinem Lallen und seinem Singsang, seinem Lachen und seinem Weinen immer wieder unterbricht.
Tonbruket ist die erste Platte, der ich mich wieder voll und ganz widme, widmen kann. Schon beim flüchtigen Durchhören jedes Stückes wird mir klar: sie ist nicht gestorben, meine große Liebe, damals, am 14. Juni 2008. Mit Tonbruket erwacht sie, Tag für Tag, von neuem, während die andere große Liebe meines Lebens mit roten Bäckchen schlummert und mich zwischendurch immer wieder erdet.

Musik. Musik!

Glückskind 00:04

Lieber Nikolai,

dein vierter Lebensmonat war so ganz anders als die drei Monate zuvor. Er waren vier wunderbare Wochen. Wunderbar, weil sehr harmonisch und alles in allem eher unaufgeregt ruhig.
Irgendwann im Laufe dieses Monats haben wir fest gestellt, dass du seit Weihnachten nicht mehr geweint hast. Freilich weinst und jammerst du immer mal wieder für ein paar Minuten, sei es wenn du Hunger hast oder du aus dem Schlaf und einem Alptraum erwachst. Aber es ist das Weinen, dass deine Traurigkeit oder deinen Ärger über einen Zustand beschreibt, und nicht das lange, laute Weinen, das uns anfangs noch so hilflos gemacht hat, das Weinen, das keinen „wirklichen“ Grund hatte, im Sinne eines abstellbaren Grunds.
Inzwischen scherze ich mit dir, wenn du etwas beklagst, beispielsweise, wenn es dir mit dem Essen mal wieder nicht schnell genug geht, weil ich meinen BH nicht aufbekomme oder eben selbst noch etwas trinken möchte. Das bessert deine Laune dann zwar nicht immer, aber ich habe gerade in diesem vierten Monat gespürt, wie ich nun wirklich ganz locker und entspannt geworden bin im Umgang mit dir. Du bist nicht mehr das zerbrechliche kleine Bündel Mensch, bei dem ich vor allem Sorge hatte, dass jedes zu lange Weinen (das bedeutet in meinen Maßstäben etwa vier, fünf Minuten) dein Vertrauen in mich grundlegend schädigen könnte (dein Papa hat diese meine Neigung zur Übermutterung manches mal „belächelt“). Ich weiß nun, dass du nicht verhungerst, wenn ich mir noch ganz schnell ein Käsebrot schmiere und ich weiß, dass du keinen Schaden nimmst in deinem wunderhübschen kleinen Köpfchen, wenn ich dich gegen deinen Willen wickle. Ja, ich weiß auch, dass ich in gewisser Weise seltsam bin, was diese Ansichten anbelangt, aber … hm … das erkläre ich an anderer Stelle in diesem oder einem anderen Text.
Wickeln. So geschmeidig das in den ersten drei Monaten lief, so sehr hat sich bei dir da nun eine Launigkeit eingeschlichen. Morgens bist du eigentlich immer sehr sehr fröhlich und genießt die erste Windel ganz offensichtlich. Aber über den Tag gibt es manchmal Wickelsituationen, die ein reiner Kampf sind. Ich habe noch nicht heraus gefunden, was dich manchmal so am Wickeln nervt, aber ich habe schon einige blaue Flecke davon getragen. Du trittst mich dann mit deinen kleinen, aber sehr kräftigen Beinen, drehst und wendest dich, stemmst deinen Po nach oben oder tust deinen Unmut lauthals mit einem klagenden Jammer-Sing-Sang kund. Meistens alles zusammen. Ich greife dann zum nahezu einzigen Beruhigungsmittel: Dem Fön. Ein kleiner Fön, der uns anfangs geholfen hat, einen wunden Po zu vermeiden, liegt auf kleiner Stufe eingeschaltet so neben der Wickelauflage auf deiner Kopfhöhe, dass dir ein wenig warme Luft ins Gesicht gepustet wird. Du reckst dein Köpfchen dann zum Fön hin und bist ganz ruhig. Ein paar mal bist du so auch auf dem Wickeltisch eingeschlafen.
Natürlich gibt es von den acht Windeln, die ich pro Tag im Schnitt mache (drei, vier weitere macht dein Papa im „Abend-“ oder „Frühdienst“) auch wieder ganz wunderbare, spaßige Momente, in denen ich dir irgendein Lied vorsinge, deine Füßchen küsse, auf deinen Bauch pruste und wir miteinander rumalbern.
Ich glaube, dir passt das Wickeln immer dann nicht, wenn du eigentlich viel lieber auf deiner Spielwiese liegen und dich austoben willst.
Die ist übrigens im vierten Monat dein absoluter Lieblingsplatz: deine runde Spielwiese von IK*A und deine Gänseblümchen-Wiese, die meistens in meinem Büro liegt. Dort zu spielen, das hast du zwar im Monat zuvor auch schon gemacht, aber weniger intensiv. Nun liegst du auf den Spielwiesen lang und gerne. Wenn du auf dem Rücken bist, beschäftigst du dich mit Käferchen und Sonnen und Flugzeugen, die das so rumbaumeln. Du begreifst sie mit deinen kleinen Fingerchen und wirst dabei immer geschickter. Du quasselst manchmal mit ihnen und fühlst dich von dem lachenden Flugzeug oder dem Käfer mit den Ringel-Fühlern offenbar gut verstanden, denn so können gut zwanzig Minuten vergehen, ohne das du bemerkst, dass ich in der Nähe bin und dir zuschaue oder dass ich gerade am Bügeltisch stehe oder auch mal gar nicht im Zimmer bin. Das ist übrigens die spannendste Neuerung für mich in diesem Monat: Ich kann dich ablegen und du spielst, mit mir und auch alleine. So schaffe ich mal wieder ein bisschen Haushalt und kann auch ab und zu ein paar Stündchen im Büro verbringen.
Wenn ich dich auf den Spielwiesen auf den Bauch lege, dann kämpfst du dich nahezu täglich noch höher hinauf, du schaust sehr stolz dabei aus und machst eigentlich nichts lieber als auf dem Bauch die Welt zu beobachten. Deine Ausdauer und Kraft dabei ist wirklich sehenswert. Besonders gern magst du es, wenn ich deine runde IK*A-Spielwiese auf den Küchentresen lege und in Sicht- und Reichweite in der Küche werkle, beispielsweise ein Brot backe. Da kam uns dann nur in die Quere, dass du plötzlich doch keine Kraft und Lust mehr hattest, gemeckert und gejault hast. Und ich, ich hatte gerade die Finger voller Teig und brauchte ein paar Minuten bis das Zeug wieder abgewaschen war.
Was deinen Schlaf und unseren gemeinsamen Tagesrhythmus anbelangt, so hat sich im vierten Monat auch einiges getan. Und zwar einfach so. Dein intensives Spielen hat unserem Tag automatisch ein bisschen mehr Struktur gegeben. Nach dem Aufstehen morgens gegen 7 Uhr schaust du mir beim Frühstück machen zu, und sobald dein Papa aus dem Haus ist, toben wir in deinem Zimmer auf einer Fleece-Decke. Das dauert meistens so bis 9 Uhr, dann gibt es eine neue Windel und anschließend einen großen Schluck an der Mama-Milchbar. Dabei schläfst du eigentlich immer ein und ich trage dich in dein Bettchen. Inzwischen schläfst du fast immer mindestens 40 Minuten, manchmal wachst du dann weinend auf, oft höre ich aber schon deine Bewegungen übers Babyphone und kann dich mit einem Lächeln begrüßen, ehe du auch nur meckern kannst, dass die Aufwach-Situation nicht der des Einschlafens gleicht. Nun, dann geht es wieder weiter mit Spielen und Toben, dabei mache ich mir etwas zu essen, oder, später am Tag, arbeite im Büro oder im Haushalt, je nachdem, was gerade anliegt. Und so haben wir einen Tag, der sich in 2-Stunden-Spielen, 1-Stunde-Wickeln+Pflegen+Stillen, 40-Minuten-Schlafen, gliedert. Nachts schläfst du nun in einer ersten Phase noch länger, du möchtest erst gegen Ende der Nacht zwei- oder dreimal trinken.
In deinem vierten Lebensmonat gab es auch noch zwei Premieren: Du hast nun einen Babysitter. Ich hatte die hübsche Studentin irgendwann im Laufe der Schwangerschaft in einem Babysitter-Portal entdeckt und fand ihren Text und das Foto schon damals sympathisch. Und weil ich ab Anfang Februar in einen Rückbildungskurs gehe und nicht immer von meiner Schwiegermutter abhängig sein möchte, haben wir sie kurzerhand eingeladen und „engagiert“. Die Premiere verlief bestens, du hast dich für die eineinhalb Stunden, die ich dich Dienstag morgens mit ihr alleine lasse, super mit I. verstanden - und ich glaube, sie hat dich auch schon in ihr Herz geschlossen.
Deine Ruhrpott-Omi hat in deinem vierten Lebensmonat zwar auch mal hier ein halbes Stündchen, mal da ein Stündchen auf dich aufgepasst, wenn ich im Haushalt ein bisschen mehr machen wollte, aber da war ich immer in der Nähe. Mir ist recht schnell aufgegangen, dass Babysitting bei einem knapp 7 Kilo schweren, sehr lebhaften Säugling, durchaus ein sportliches Wesen „ohne Rücken“ voraussetzt, man sollte zumindest mal auf die Knie gehen können, um mit dir auf dem Boden zu spielen, oder kräftig genug sein, um dich eine Weile rum zu tragen. Sprich: Ruhrpott-Omi und -Opi kommen sicher mehr zum Einsatz, wenn du aufrecht gehst.
Die zweite Premiere war mein Besuch bei einer Stillgruppe. Es war zugleich auch für mich eine Premiere: So viele Babys, die in etwa so alt sind wie du, hatte ich noch nie um mich herum. Und es war schön zu sehen, mit welcher Neugier und Ruhe du reagiertest, als ich dich mitten auf den Boden zwischen all die anderen kleinen Babys legte. Du hast deine kleinen Mit-Stramper jedenfalls mit großen Augen angeschaut und dazwischen immer wieder meinen Blick gesucht und mein Lächeln erwidert. Wir werden sicherlich wieder bei der Gruppe vorbeischauen. Von einer richtigen Regelmäßigkeit hält mich vor allem eins ab: Der Raum, in dem das Ganze stattfindet, ist gnadenlos überhitzt. Und: es scheint Gruppen-Zwang zu geben, jedenfalls war Hauptgespräch, wer in welcher Gruppe wo bei welchem Gruppenleiter ist. Wir sind da ja eher so selbst organisiert und machen nMuNL* statt PEKiP ;-)
(Edit) Wie konnte ich im ersten Ansatz nur das nahezu Aufregendste vergessen? Dein vierter Lebensmonat war vor allem auch der Monat der Sprache. Irgendwann zwischen Stillen und Spielen hast du das Wort Krümel - so nenne ich dich immer wieder - versucht, nachzusprechen. Es klang in etwa wie "ühhmell". Ich konnte es kaum fassen und habe sofort deinen Papa angerufen. Das Ganze wiederholte sich noch ein paar mal in seinem Beisein, und du hast dein Repertoire um "Acholai" (Nikolai), "Anane" (Banane) "Üsche" (Kirsche) und "Useär" (Schmusebär) erweitert. Und gegen Ende deines vierten Monats setzte dann die Kreisch-Phase ein. Du erreichst Tonlagen in einer Lautstärke, um die dich mancher Sänger beneiden würde.
Ich bin gespannt, was die kommenden Monate so bringen, lieber Nikolai, und ich freue mich vor allem auf eines: Dir beim Wachsen zuzusehen (du trägst inzwischen Windelgröße 3 und Kleidung und 62/68) und mit dir herum zu albern und zu lachen. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so viel gelacht wie in den Monaten mit dir.

Ich liebe Dich.

Deine Mama

PS: Schicke Fotos gibt es sicher auch bald, wenn ich mal wieder am großen Rechner sitze. Oder auch bei deinem Papa.




*nach Mamas und Nikis Laune

Sekundenglueck 1:40

Mein Baby schläft schon wieder. Seit 40 Minuten. Heute vormittag hat es zwei Stunden und 35 Minuten geschlafen, am Stück. Und ich habe Sehnsucht! Hach …
Nun, weil mir der Sinn nach ernsthafter, bezahlter Arbeit gerade überhaupt nicht steht, die Wäsche gebügelt und die Wohnung gesaugt ist, werde ich mich um ein schon lange schlummerndes Projekt kümmern: Nähen.
Erst vor ein paar Tagen habe ich aus einem alten T-Shirt eine Hose für meinen kleinen Sohnemann genäht, dann schau ich jetzt, ob ich aus den Resten des Shirts plus ein paar weitere Restchen noch ein passendes Hemdchen fertigen kann … Ach, und seinen Lampenschirm wollte ich auch längst fertig genäht haben …
Ich glaube, ich tue heute zum allerersten Mal seit längerem ganz bewusst nichts, was ich unbedingt tun müsste, sondern etwas, was ich tun will, für mich, einfach so. An einem Donnerstag Nachmittag.

Schön.
Hach.

Sehr schön.
Alles, das.

Und dazu höre ich Dan Berglunds Tonbruket.
Mein Herz hüpft.

Glückskind 00:03

Lieber Nikolai, der letzte Monat mit dir war wie ein kleines Wunder. Es hat sich so unglaublich viel getan, so dass du mich mit deinem zauberhaftem Wesen noch mehr eingenommen hast als in den Wochen zuvor. Eigentlich fast unmöglich … Einen Tag nach deinem 2-Monats-Geburtstag, also am 16.12.2009, hatten wir einen besonderen Termin bei deiner Kinderärztin – die, Schulmedizin hin oder her – wirklich eine ganz besonders nette Frau ist, in etwa gleich alt wie dein Papa und ich. Ich war schon bei der U3 beeindruckt, wie man trotz einer rappelvollen Praxis so strahlend lachen und sich so liebevoll um dich kleinen Kerl kümmern kann. Nun, am 16.12.2009 war also dein erster Impftermin. Obwohl ich mir mit einem Buch („Schutzimpfungen selbst verantworten“) eigentlich eine Meinung eher gegen Impfen gebildet hatte (zumindest in dem von der STIKO empfohlenen Umfang und Zeitraum) sind wir dann doch beim empfohlenen gelandet. Erstaunlicherweise hat ein Gespräch mit meiner Mama kurz zuvor ergeben, dass ich seinerzeit nicht geimpft worden bin. Meine Eltern, die nun wirklich nicht „öko“ sind, hatten sich damals einen Kinderarzt ausgesucht, der, für die damalige Zeit, schon nahezu revolutionär alternative Methoden bevorzugte … Wie auch immer: Ich hatte furchtbare Angst vor diesem deinem Termin. Die Vorstellung, dass dein kleiner Babykörper gepiekst wird und du Schmerzen hast, war für mich grauenvoll. Und ich hatte große Bedenken, wie du im Anschluss reagieren würdest. Ich mache es kurz: Dein Papa war stark genug, dich zu halten, ich hatte Tränen in den Augen als du bei den Pieksern in den Oberschenkel aufgeheult hast. Und dann, dann war auf einmal alles ganz anders als ich befürchtet hatte. Du hast sehr schnell aufgehört zu weinen und warst sehr müde. Fast den ganz restlichen Tag hast du geschlafen, ich hatte Mühe dich zum Trinken zu bewegen. Du tapferer kleiner Kerl du! Ganz besonders verzaubert hast du mich in den letzten vier Wochen mit deinem Lachen: Du lachst sehr viel und inzwischen auch richtig laut. Wir albern sehr viel herum, entweder wenn du auf deiner Spielwiese liegst und ich dir ulkige Geräusche vormache. Zum Beispiel das Blubbern mit der Lippe: Erst lachst du, wenn ich es mache, dann versuchst du es nach zu machen und bringst ein kleines Pusten mit ein paar Spuckebläschen zu Stande. Und dann lachst du noch viel mehr. Ich kitzle dich, küsse deine Füßchen, streichle dich, halte dir kleine Greifringe zum Greifen hin – und alles machst du mit viel viel Lachen und mit einer erstaunlichen Konzentration mit. Wir spielen oft über eine Stunde am Stück, ich bin erstaunt, wie lange es dauert, bis du deinen Blick abwendest oder deine Äuglein reibst, weil du dann schließlich müde bist und eine Pause brauchst.

Oh - und: die Bauchlage! Anfangs mochtest du sie ja nicht besonders - inzwischen liebst du sie! Du hältst deinen Kopf schon sehr hoch und das über mehrere Minuten lang. Auf deinem Gänseblümchen-Spielteppich kannst du dich im Halbkreis drehen, zu ziehst immer ein Ärmchen nach und bewegst dich so fast unmerklich um die eigene Achse. Du hast auch schon gelernt, deinen Kopf zwischendurch abzulegen und eine kleine Pause zu machen, dann saugst du an deinem kleine Fäustchen und machst dann mit neuer Kraft weiter – wieder ein Liegestütz – wow! – das rufe ich und lege mich so vor dich hin, dass du mich sehen kannst, wenn du deinen Kopf nach oben reckst. Und dann lachst du und freust dich …

2010-01-06 12-29-15

Ich probiere immer wieder mal, dich in deinem Bettchen, das in unserem Schlafzimmer steht, schlafen zu legen. Im dritten Monat ist es mir ein paar mal gelungen: Du hast dich wach hinlegen lassen und bist eingeschlafen und hast drei Stunden durchgehalten. Und du hast dich schlafend dort ablegen lassen und ebenfalls mehrere Male etwa drei Stunden am Stück geschlafen. Diesen Zustand hatten wir zwar nur über etwa zwei Wochen, und auch nicht jeden Tag, aber es zeigte mir, dass auch das geht. Ansonsten schläfst du nach wie vor bei mir und deinem Papa im großen Bett, und wir merken dir an, wie gut es dir tut. Du schläfst dort eigentlich immer ohne zu Murren oder Weinen ein, entweder weil du ohnehin müde bist oder nachdem wir noch ein bisschen mit dir gespielt haben. Meistens schläfst du fünf bis sechs Stunden durch, manchmal ist es aber auch "nur" ein drei Stunden-Rhythmus, bis du dich wieder meldest und Hunger hast. Dann stille ich dich im Liegen. Das klappt manchmal so gut, dass wir beide dabei weiter mümmeln. Manchmal bist du dabei aber so unruhig, dass du mich mit einen kleinen Füßchen trittst und deinen Kopf und deinen Mund einfach nicht da halten kannst, wo er sein soll. Das ist für uns beide dann sehr anstrengend, aber egal. Hauptsache du wirst satt und wir können irgendwann noch ein Stündchen weiter schlafen. Blöd ist nur, wenn Papa das Getöse mit bekommt, er tut mir dann immer sehr leid, weil er doch auch seinen Schlaf braucht, aber ich glaube, er nimmt das ganz locker. Über Schlafenszeiten und vielleicht eine Änderung, in welchem Bett du nun immer schläfst, denken wir vielleicht mal nach, wenn du zwei, drei Monate älter bist. Mal sehen. Wir genießen die Kuschelzeiten und das Aufwachen mit dir jedenfalls sehr. Meistens reckst und streckst du dich, grunzt, gurrst und knurrst. Am Wochenende gibt es dann morgens noch ein ausgiebiges Extra-Kuscheln und eine Weile darfst du auch nackt und ohne Windel im Bett strampeln und mit deiner Lieblinsgdecke "kämpfen". Die Unterlage, die ich dafür genäht habe, hat sich bewährt! In den letzten Tagen vor deinem 3-Monats-Geburtstag, da hat sich dein Schlafverhalten wieder etwas geändert. Du hast dich ein paar Tage lang gar nicht ablegen lassen, nicht einmal für eine Sekunde, du weintest wieder mehr und wirktest insgesamt weniger ausgeglichen. Zwei große Abenteuer haben sich für dich und für uns alle im dritten Monat ereignet: An Weihnachten hatten wir Übernachtungsgäste - deine Omi und dein Opi aus dem fernen Schwabenland haben uns besucht. Und so haben wir zusammen mit deiner anderen Omi und deinem Opi, die hier bei uns im Haus leben, bei uns gefeiert. Du lagst in deinem Stühlchen und hast den Trubel wunderbar mit gemacht, bis auf ein kleines Schreistündchen in der Nacht, wo du uns von deinen Erlebnissen berichtet hast. Da fällt mir gerade ein, dass ich dir irgendwann mal erkläre muss, warum du drei Opis hast, aber das hat ja noch Zeit. Das zweite Abenteuer fand genau heute, an deinem 3-Monats-Geburtstag statt: Wir haben unseren ersten großen Ausflug gemacht. Zweimal über eine Stunde Fahrt und dazwischen ein fast drei Stunden langern Besuch bei meinen Kollegen – das hast du sehr gut mit gemacht, hast die Kolleginnen und Kollegen mit deinem Charme verzaubert, viel gelacht und vor allem mit den Frauen geflirtet. Auch die Fahrt war prima: Lediglich der Moment ab dem ich dir die Mütze auf- und die Jacke anzog, den quittiertest du mit Weinen. Aber sobald der Wagen brummte, schlummertest du schon. Auf dem Rückweg hast du ein viertel Stündchen wach im Autositz gesessen und dir die vorbei ziehende Landschaft angeschaut. Und ich, ich habe nun beschlossen, regelmäßiger mit dir auf Tour zu gehen bzw. zu fahren.

2009-12-26 23-06-50

Und als ob es in diesem Monat nicht schon genug Ereignisse gab – du setzt noch eins drauf: Kurz nach Weihnachten hast du auch dein allererstes Spielzeug eingeweiht: Semmelhase, den Freundin C. dir geschenkt hat. Er hieß mal Mümmel, jetzt nennen wir ihn nur Hasi – und du, du vermöbelst ihn regelmäßig, kaust auf seinen geknoteten Poften herum, beißt ihm ins Gesicht und wältzt dich mit ihm auf dem Bauch herum. Dabei lachst du und hast sichtlich viel viel Spaß!


Ich liebe dich.

Deine Mama

Sekundenglueck 1:39

Da stehe ich, an der Haustüre, in einem T-Shirt, das ich schon seit Tagen trage, überall sind Flecken von meinem kleinen Sohn, der seine Milch in allerlei Aggregatzuständen wieder ausgespuckt hat, meine Haare ungekämmt, und überhaupt: geduscht habe ich heute auch noch nicht. Und gestern? Weia! Egal, er strahlt mich an, unser netter Nachbar, seine kleine 3-jährige Tochter ebenso. Wünscht schöne Weihnachten, überreicht ein kleines Geschenk und meldet an, dass man uns bald mal einen Besuch abstatten wolle. Er strahlt, ich strahle, das kleine Mädchen strahlt.
Und morgen, morgen reist meine Mama an. Weihnachten mit Familie. Wunderbar.

Ich kann mir wirklich nicht mehr vorstellen, dass mir Dinge wie geputzte Fenster und ein täglich höchst adrettes Aussehen sehr sehr wichtig waren.
Spucktuch über der Schulter, ein glucksendes Baby im Arm und die Familie am großen Tisch -rulez!

blogistin

Fantasie, Fiktion, Fraktales

Ich will ...

 

War was?

Hachhachhach ...
Das macht richtig Lust auf die kommenden Monate ;-)...
jazzer - 17. März, 21:25
Glückskind 00:05
Lieber Nikolai, dein 5. Lebensmonat begann genau am...
blogistin - 16. März, 23:59
i wo, so privat ist das...
i wo, so privat ist das nicht, spätestens seit...
blogistin - 13. März, 15:51
'tschuldigung, daß...
'tschuldigung, daß ich mich in Ihre privaten...
Budenzauberin - 12. März, 14:07
... in deiner "neuen"...
... in deiner "neuen" wohngegend in deutschland heißt...
timanfaya - 11. März, 10:08
Ich dich auch …
… Schatz! Und heute Abend kommst du...
blogistin - 11. März, 10:04
stimmt, "belächelt"...
stimmt, "belächelt" passt nicht. in diesem falle...
blogistin - 8. März, 16:16
Glückskind 00:04
Lieber Nikolai, dein vierter Lebensmonat war so ganz...
blogistin - 8. März, 16:13
... nein, nicht "belächelt"...
... nein, nicht "belächelt" sondern "gelächelt"....
timanfaya - 8. März, 15:03
Hach. *seufz*
Hach. *seufz*
Budenzauberin - 2. März, 08:29

Huch!

Du bist nicht angemeldet.

Und die Frisur sitzt…

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Zuletzt aktualisiert: 17. März, 21:25

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