Thymian
oder die Macht der Gewohnheit
Sie rieb ein paar Blättchen Thymian zwischen ihren Fingern. Nicht um den Duft, der sich an ihrer Haut festgesetzt hatte, einzuatmen. Nicht um die Konsistenz der Blättchen zu spüren.
Gewohnheit. Aus Gewohnheit rieb sie die Blättchen zwischen ihren Fingern. Sie sah nicht hin, sah nicht was sie tat. Blättchen für Blättchen zupfte sie von den Zweigen, sammelte sie in einer kleinen Schüssel.
Gewohnheit. Es war nicht das Wort, das in ihrem Kopf umherspukte. Sie kannte das Wort, kannte seine Bedeutung, in allen Facetten.
Ihre Eigenart war, jedes Wort zu analysieren, es von allen Seiten zu betrachten. Sich über die möglichen Bedeutungen klar zu werden. Darüber, was man einem Wort landläufig beimaß. Und darüber, was man mit einem Wort anstellen könnte, wenn man es für gute oder weniger gute Zwecke ge- und missbrauchen wollte. Und darüber, was es schließlich für sie bedeutet.
Gewohnheit mochte sie nicht. Sie hatte sie als gemeines, hinterhältiges Gefühl kennen gelernt, das sich anschleicht. Anschleicht, leise, von hinten. Dann, wenn man gerade noch andere Worte und andere Gefühle im Kopf und im Körper hatte. Zufriedenheit. Glück. Plötzlich: Gewohnheit.
Gewohnheit macht, dass Glück schwindet. Gewohnheit macht, dass Zufriedenheit Gleichgültigkeit weicht.
Gewehrt hatte sie sich bislang erfolgreich. Gegen die Gewohnheit aus dem Hinterhalt. Und gegen die, die da ganz nonchalant den Frontalangriff wagte und sich einfach so unter dem Deckmäntelchen Alltag oder Vereinfachung in ihr Leben eingeschlichen hatte.
Alltag mochte sie. Als Wort, als Gefühl. Alltag ist Leben. Leben ist schön. Und das schönste war für sie …
(5.April 2005, 20.10 Uhr)
Sie rieb ein paar Blättchen Thymian zwischen ihren Fingern. Nicht um den Duft, der sich an ihrer Haut festgesetzt hatte, einzuatmen. Nicht um die Konsistenz der Blättchen zu spüren.
Gewohnheit. Aus Gewohnheit rieb sie die Blättchen zwischen ihren Fingern. Sie sah nicht hin, sah nicht was sie tat. Blättchen für Blättchen zupfte sie von den Zweigen, sammelte sie in einer kleinen Schüssel.
Gewohnheit. Es war nicht das Wort, das in ihrem Kopf umherspukte. Sie kannte das Wort, kannte seine Bedeutung, in allen Facetten.
Ihre Eigenart war, jedes Wort zu analysieren, es von allen Seiten zu betrachten. Sich über die möglichen Bedeutungen klar zu werden. Darüber, was man einem Wort landläufig beimaß. Und darüber, was man mit einem Wort anstellen könnte, wenn man es für gute oder weniger gute Zwecke ge- und missbrauchen wollte. Und darüber, was es schließlich für sie bedeutet.
Gewohnheit mochte sie nicht. Sie hatte sie als gemeines, hinterhältiges Gefühl kennen gelernt, das sich anschleicht. Anschleicht, leise, von hinten. Dann, wenn man gerade noch andere Worte und andere Gefühle im Kopf und im Körper hatte. Zufriedenheit. Glück. Plötzlich: Gewohnheit.
Gewohnheit macht, dass Glück schwindet. Gewohnheit macht, dass Zufriedenheit Gleichgültigkeit weicht.
Gewehrt hatte sie sich bislang erfolgreich. Gegen die Gewohnheit aus dem Hinterhalt. Und gegen die, die da ganz nonchalant den Frontalangriff wagte und sich einfach so unter dem Deckmäntelchen Alltag oder Vereinfachung in ihr Leben eingeschlichen hatte.
Alltag mochte sie. Als Wort, als Gefühl. Alltag ist Leben. Leben ist schön. Und das schönste war für sie …
(5.April 2005, 20.10 Uhr)
blogistin - 24. Oktober, 10:43




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