Da stehe ich, an der Haustüre, in einem T-Shirt, das ich schon seit Tagen trage, überall sind Flecken von meinem kleinen Sohn, der seine Milch in allerlei Aggregatzuständen wieder ausgespuckt hat, meine Haare ungekämmt, und überhaupt: geduscht habe ich heute auch noch nicht. Und gestern? Weia! Egal, er strahlt mich an, unser netter Nachbar, seine kleine 3-jährige Tochter ebenso. Wünscht schöne Weihnachten, überreicht ein kleines Geschenk und meldet an, dass man uns bald mal einen Besuch abstatten wolle. Er strahlt, ich strahle, das kleine Mädchen strahlt.
Und morgen, morgen reist meine Mama an. Weihnachten mit Familie. Wunderbar.
Ich kann mir wirklich nicht mehr vorstellen, dass mir Dinge wie geputzte Fenster und ein täglich höchst adrettes Aussehen sehr sehr wichtig waren.
Spucktuch über der Schulter, ein glucksendes Baby im Arm und die Familie am großen Tisch -rulez!
blogistin - 23. Dezember, 12:57
Da steht es nun, in meinem Mutterpass, letzter Eintrag nach 38 wunderschönen, spannenden und immer wieder aufreibend dramatischen Schwangerschaftswochen:
"Kind lebt und ist gesund."
Und ich, ich habe auch wieder eine neue TÜV-Plakette bekommen.
Eine wunderschöne Vorweihnachtszeit. Endlich.
blogistin - 30. November, 14:29
Jedes Mal, wenn ich mit meiner Mama telefoniere, halte ich den Hörer in die Nähe von Nikolais Köpfchen. Dann kann sie sein Schnaufen hören, sein Quieken oder manchmal auch sein Weinen. Und dann spricht sie mit ihm, mit ihrem Enkelchen, den sie leider leider immer noch nicht besuchen konnte. Es macht sie glücklich, für ein paar Augenblicke wenigstens.
Mich auch.
blogistin - 24. November, 13:39
Lieber Nikolai,
du liegst gerade auf meiner linken Schulter, ich liege halb aufgerichtet im Bett und so mümmeln wir beide vor uns hin. Es ist gerade 15 Uhr und ich denke über den letzten Monat nach.
Dass Zeit wie im Fluge vergeht, das kenne ich schon eine Weile. Wie sie aber vergehen könnte, wenn man in einer Concorde fliegt, das begreife ich erst jetzt, seit du auf der Welt bist.
Ich denke noch immer viel an deine Geburt, die so überraschend plötzlich geschah, am Tag, als Freundin D. zu Besuch kommen wollte, von weit her, aus meiner alten Heimat.
Immer wieder versuche ich mir die Momente in Erinnerung zu holen, als ich dich das erste Mal sah, als du das erste Mal auf meiner Brust lagst. Sie sind weit weg und doch so nah.
In den ersten Tagen deines Lebens hat sich dein Papa sehr um dich gekümmert, mehr als ich, denn ich hatte noch ein bisschen mit den Schmerzen der Geburt zu kämpfen. Und so habe ich deinen Papa bewundert, wie er dich wickelte, und ich habe euch zugeschaut, wie ihr geschmust habt, wenn du auf Papas Bauch lagst. Ich bin sehr glücklich, nach wie vor, dass dein Papa es trotz der Eile geschafft hat, rechtzeitig zur Geburt im Krankenhaus zu sein und dass er die gesamte Zeit im Krankenhaus bei uns sein konnte. Familienzimmer nennt man das. Das ist etwas Wundervolles.
In den Anfangstagen haben wir uns etwas schwer getan miteinander, du und ich. Ich wollte immer bei dir sein, konnte keinen Schritt von dir weichen, dein Körbchen nicht aus den Augen lassen. Zu groß war die Angst, dass du plötzlich aufhören könntest, zu atmen.
Und du, du pendeltest zwischen zufriedenem Grunzen und Schlummern und lauthalsen Bekundungen, dass dir etwas nicht gefällt oder du etwas brauchst. Oftmals scheine ich genau daneben gegriffen zu haben, denn dein Ärger wurde noch schlimmer, wenn ich das offensichtlich falsche tat. Heute weiß ich fast immer, was du willst und was dir fehlt. Das ist ein wunderbares Gefühl.
Und was die räumliche Trennung angeht: Inzwischen schaffe ich es sogar, mit dem Babyphone um den Hals von deinem Zimmerchen zwei Stockwerke hinunter zum Briefkasten zu gehen, während du in deinem Korb liegst. Manchmal traue ich mich sogar zu den Mülltonnen, dann renne ich allerdings.
Was deinen Hunger anbelangt, so war auch das anfangs eine kleine Hürde für uns beide. Ich möchte dich nach Bedarf stillen, doch den zu erkennen, das ist nicht immer leicht. Denn du schmatzt nicht nur wenn du Hunger hast. Und mit deinen Ärmchen ruderst du auch dann, wenn dir irgendetwas nicht passt, eine volle Windel vielleicht, oder der Wunsch, getragen zu werden.
Wie es kam, dass du nach der ersten Woche, die wir aus dem Krankenhaus wieder zu Hause waren, erst mal 40 Gramm abgenommen hast, das weiß ich nicht. Du hast viel getrunken, aber auch viel geweint und geschrien. Vielleicht hast du meine Aufregung gespürt, die dich selbst aufgeregt gemacht hat? Oder die Umstellung vom routinierten Krankenhaus-Alltag zu unserem noch etwas planlosen Familien-Alltag hat dir zu sehr zu schaffen gemacht.
Dann aber hast du zugenommen, und zwar so gut, dass unsere Hebamme sehr glücklich und zufrieden ihre Waage wieder eingepackt hat.
Das Schönste aber ist, dass du seit vergangenen Mittwoch sehr zielsicher und bestimmt an die Milchbar findest und dort fleißig trinkst - ohne jede Hilfe. Seit ein paar Tage liegen also diese Stillhütchen, die ich als Notnagel immer dann benutzt habe, wenn du mal wieder zu lange verzweifelt versucht hast, anzudocken, in der Schublade. Das ist sehr schön und lässt uns beiden mehr Zeit und Muse, uns gegenseitig kennen zu lernen. Ich streichle gerne deine zarten Händchen und Fingerchen, deine feinen Zehen und weichen Fußsohlen, wenn du trinkst. Und du, du schaust mich zwischen deinen gierigen Schlucken mit riesengroßen Augen an. Immer dann, wenn ich meine Haare zu einem Zopf gebunden habe, wirkst du ein bisschen irritiert, dann öffne ich den Zopf und du scheinst zufriedener.
Auf dem Wickeltisch sind wir inzwischen ein tolles Team, du und ich. Anfangs hatte ich deinen Papa um seinen souveränen Umgang mit dir und deinem zerbrechlichen kleinen Körper beneidet, inzwischen können wir beide mindestens genauso gut miteinander. Seit dich das schöne Mobile über dem Wickeltisch ablenkt, bist du eigentlich immer ruhig und lässt die An- und Ausziehprozedur wunderbar gelassen über dich ergehen. Inzwischen ziehe ich dir ab und zu auch diese unpraktischen Hose- und Pulli-Sachen an, vor denen mich leider niemand gewarnt hat. Strampler mit Druckknöpfen von Kopf bis Fuß sind einfach viel besser. Einmal am Tag gibt es eine kleine Bein- und Arm- und Bauch-Massage mit Olivenöl, das gefällt dir, dann bist du besonders ruhig und wirkst fast ein bisschen nachdenklich. Oder aber du bekommst es gar nicht mit, weil du so vertieft darin bist, der schwarz-weißen Biene oder der Kuh des Mobiles zuzuschauen.
Seit deiner Geburt schläfst du nachts in unserem Bett, nur tagsüber bist du manchmal für ein paar Stunden in deinem Körbchen oder in einem Tragetuch zum Schlafen. Am liebsten schläfst du auf Papas Brust. Oder auf meiner Schulter, so wie jetzt gerade. In den ersten Tagen warst du beim Schlafen fast atemlos ruhig, seit etwa zwei Wochen machst du nachts immer wieder Geräusche, du quietscht, du krächzt, du gurrst und du knurrst. Vielleicht verarbeitest du die Ereignisse des Tages? Der Kinderarzt wird es uns am Mittwoch hoffentlich sagen können. Jedenfalls sind diese Geräusche, die du manchmal auch tagsüber machst, genauso laut wie dein Rülpsen und deine Pupsen - ich hätte nie geglaubt, dass kleine Babys klingen können wie ausgewachsene Kerls.
Am Mittwoch ist also ein großer Tag, dem ich sehr gespannt entgegen blicke: Kinderarzt-Termin, U3. Ich hoffe, dass wir das pünktlich hinbekommen, denn das Timing, das haben wir noch nicht so gut im Griff. Es ist noch nichts wirklich planbar mit dir, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das bald zusammen schaffen werden, so dass die Tage und ihre Abläufe etwas gleichmäßiger werden.
Und nun, nun versuche ich, dich in dein Körbchen zu legen und hoffe, dass du dann noch etwas schläfst, damit ich duschen kann.
Ich liebe dich.
Deine Mama
blogistin - 15. November, 13:47
So hab ich dich am liebsten: in mein Tragetuch gemümmelt, deine Nase irgendwo auf Höhe meiner Brust, die Wärme deines kleinen Körpers spüre ich, deinen Atem höre ich, kann die Arme um dich legen, so als wärst du noch in meinem Bauch, kann die Arme frei bewegen, dich sanft an deinen zarten Fußsohlen kitzeln, jetzt, wo du nicht mehr in meinem Bauch bist.
Ich liebe dich, dich, du kleiner Kerl, der du mir vom ersten Augenblick, an dem ich dich sah und fühlte und hörte und roch, beibringst, was Liebe in ihrer ursprünglichsten Form bedeutet, bedingungslose Liebe, selbstlose Liebe, Mutterliebe.
Heute bist du drei Wochen alt.
blogistin - 5. November, 13:47
beats per minute
Jeden Vormittag habe ich ein Rendezvous mit deinem kleinen Herzchen, lieber Elvis. Eine halbe Stunde, manchmal auch ein Weilchen länger, liege ich da, mit zwei Gurten um meinen dicken Bauch, die zwei große Knöpfe, die sich wie dicke Warzen durch die Elsatik-Gurte drücken, halten. Dann höre ich dein Herzchen wummern. Meistens schlägt es mit 140 bpm. Manchmal, wenn du besonders aufgeregt bist oder ich mich bewege oder eine Wehe meinen Körper bewegt, dann schlägt es mit 170 bpm.
Wenn 180 bpm angezeigt werden, werde ich ein bißchen aufgeregt, und dann streichle ich dich durch meinen Bauch hindurch, da, an dem kleinen Stückchen Haut, das die Gurte frei lassen, da, wo dein Köpfchen liegt und sich meiner Hand entgegen drückt.
beats per minute
Jeden Nachmittag habe ich ein Rendezvous mit einer anderen Platte, die ich längst vergessen habe, nie gehört habe, nie richtig gehört habe, weil, ach, weil immer irgendetwas anderes ist, das mir meine Zeit und meine Ruhe klaut.
Heute: Das wunderbare letzte Album von Rrrred Snapper, dieses Trio, das mich einst im Alten Wartesaal atemlos und mit Bass-Wummern im Bauch sprachlos machte, über eine Stunde lang. Überrascht bin ich, wie sehr mir das gitarrenlastige Schrabbel-Wummer-Schnick-Schnick-Waber-Bass-Album A Pale Blue Dot gefällt, habe hatte ich doch ein Vorurteil gegenüber jeglichen exzessiv eingesetzten Gitarren …
blogistin - 7. Oktober, 17:28
Sehnsucht.
Es beginnt immer mit Sehnsucht.
Seelenstreicheln.
Ein Urlaub wäre, gäbe es ein paar Tage lang nur gute Nachrichten.
Und das Bauchgefühl, das würde sich von selbst wieder einstellen.
Ist es doch so wichtig gerade.
Stattdessen lähmen mich schlechte Nachrichten immer mehr.
Ganze Tage lang. Gestern ein verlorener Tag, heute ein verlorener Tag.
Und beide haben nichts miteinander zu tun.
Seit Wochen schon befinde ich mich in einem Strudel aus guten Nachrichten und schlechten Nachrichten, aus Lachen und Tränen, aus Angst und Zuversicht.
Ich wünsche mir ein paar Tage Ruhe.
Sehnsucht.
blogistin - 29. September, 11:12